Als das Spiel endete und Brasilien zurückgelassen worden war, rannte Ståle Solbakken nicht zu seinen Spielern. Er ging zur Tribüne und versank in einer langen Umarmung mit seinen Liebsten, einer von denen, die kein Ergebnis feiern: Sie feiern, da zu sein, um es zu erleben.

Wenige Umarmungen bei dieser Weltmeisterschaft tragen so viel Gewicht. Denn dieser Mann weiß bereits, wie es ist, nicht da zu sein.
Am 13. März 2001 blieb während eines Trainings in Kopenhagen sein Herz stehen. Einfach so, ohne Vorwarnung. Er war 33 Jahre alt und sieben Minuten lang klinisch tot, lag auf dem Rasen, während der Vereinsarzt ihn nur mit Herzdruckmassage ins Leben zurückholte. Er wachte auf mit einer beendeten Karriere und einem Herzschrittmacher für den Rest seines Lebens.
Jeder hätte dem Fußball den Rücken gekehrt, diesem Beruf, der ihn fast umgebracht hätte. Er tat das Gegenteil: Er setzte sich auf eine Bank und stand nie wieder auf.
Ein Vierteljahrhundert später hat dieses von einer Maschine unterstützte Herz Norwegen — 28 Jahre lang bei Weltmeisterschaften abwesend — gerade unter die besten acht der Welt geführt und ausgerechnet Brasilien zu Fall gebracht. Dasselbe Brasilien, dem er 97 als Spieler gegenüberstand, bei jenem legendären Sieg. Das Leben schreibt, wenn es will, in Kreisen.
Deshalb ist die Umarmung mit seiner Familie mehr wert als das Ergebnis. Die sieben Minuten, in denen er tot war, lehrten ihn, was viele zu spät begreifen: Man trainiert mit dem Kopf, man gewinnt mit den Beinen, aber man lebt mit den Menschen, die am Ende des Spiels auf einen warten.
Sein Herz blieb einmal stehen. Gestern schlug es für fünfeinhalb Millionen Norweger.
