Das Koro-Syndrom tritt am häufigsten in Südostasien auf und erzeugt eine verheerende körperliche Gewissheit: Die Betroffenen fühlen Tag für Tag, dass ihre Genitalien schrumpfen und in den Körper hineingezogen werden. Die Angst ist nicht symbolisch. Sie ist körperlich, fortschreitend, und in dokumentierten Fällen wird sie von extremer Panik bei der Vorstellung begleitet, an diesem Zurückziehen zu sterben.

Es ist nicht der einzige Fall, in dem der Geist die Realität des Körpers umschreibt. Beim Alien-Hand-Syndrom sieht die Person, wie sich ihre eigene Hand bewegt, Gegenstände aufhebt oder ohne jeden bewussten Befehl handelt. Sie erkennt sie als ihre eigene, schwört aber, dass sie sie nicht kontrolliert. Und beim Cotard-Syndrom schaut die betroffene Person in den Spiegel, sieht ihr Spiegelbild und behauptet dennoch mit völliger Überzeugung, dass sie tot ist oder verwest.

Dies sind reale neurologische und psychiatrische Störungen, die in der klinischen Literatur dokumentiert sind, auch wenn sie selten sind. Die Wissenschaft untersucht noch immer, warum das Gehirn derart extreme Gewissheiten über den eigenen Körper konstruieren kann.
