Es gibt Verbrechen aus Geldgier, aus Machtstreben und aus Verzweiflung. Donald Pughs Delikt geschah aus fotografischer Eitelkeit. Dieser Mann aus Lima, Ohio, war schon eine Weile auf der Flucht, weil er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte, als er eine Entscheidung traf, die in keinem Handbuch für Flüchtige vorgesehen ist: genau die Polizei zu kontaktieren, die nach ihm suchte.

Seine Beschwerde war berechtigt, zumindest in seinen eigenen Augen. Das offizielle Fahndungsfoto, das sie benutzten, um ihn zu identifizieren, ließ ihn, wie er selbst einem lokalen Radiosender sagte, wie eine Figur aus Thundercats aussehen. Also tat er, was jede vernünftige Person in dieser Situation tun würde: Er schickte dem Polizeirevier von Lima stattdessen ein schmeichelhafteres Selfie, das sie verwenden sollten.

Die Polizei nahm die Geste mit makelloser Ironie an: Sie veröffentlichte das neue Bild auf Facebook zusammen mit einem offiziellen Dankeschön und der freundlichen Anregung, doch vorbeizukommen, um über seine Anklagen zu sprechen. Der Beitrag überschritt 1.600 Teilungen und löste eine Welle von Memes aus. Weit davon entfernt, sich zu verstecken, erklärte Pugh begeistert, dass sein Foto „viral gegangen sei“. Kurz darauf halfen Menschen, die ihn dank genau dieses Selfies wiedererkannten, den Behörden. Die Polizei verhaftete ihn. Die Eitelkeit vollbrachte in wenigen Tagen, was die Ermittlungen allein nicht geschafft hatten.

