Yasuo Nakajima war 50 Jahre alt und führte in Japan ein gewöhnliches Leben. Doch auf Twitter war er jemand anderes: eine junge Motorradfahrerin mit einem unbekümmerten Lächeln, die Fotos veröffentlichte, auf denen sie neben ihrem Motorrad Friedenszeichen machte.

Mehr als zwei Jahre lang baute er mithilfe des Accounts @azusagakuyuki diese Persona mit FaceApp auf, einer App, mit der Nutzer ihr Gesicht, ihr Geschlecht und ihr Alter per Filter verändern können. Bevor er sie erfand, erhielten seine Beiträge kaum 10 „Likes“. Mit ihr übertraf er tausend und gewann fast 20,000 Follower, die nichts ahnten.

Bis etwas nicht stimmte. Ein Nutzer bemerkte die Spiegelung eines Mannes im Rückspiegel eines der Fotos. Andere entdeckten einen Arm, der zu behaart war, um zu dem Mädchen auf dem Bild zu gehören. Die Sendung „Getsuyou Kara Yofukashi“ untersuchte den Fall und stellte ihn vor laufender Kamera zur Rede. Nakajima nahm vor ganz Japan seinen Helm ab und gestand; niemand will einen Mann mittleren Alters auf einem Motorrad sehen. Was danach kam, war noch unerwarteter als die Täuschung. Statt Follower zu verlieren, gewann er sogar noch mehr.

