Eine einzige Linie. Keine Unterbrechung, keine Kreuzung, kein zweiter stützender Strich.

So schuf Claude Mellan, ein französischer Kupferstecher des 17. Jahrhunderts, eines der erstaunlichsten Gesichter der europäischen Kunst. In „The Sudarium of Saint Veronica“ begann er an der Nasenspitze mit dem Kupferstich und führte eine durchgehende Spirale über die gesamte Fläche, ohne auch nur ein einziges Mal den Grabstichel abzusetzen. Das Geheimnis lag im Druck: Er drückte dort stärker, wo er Schatten benötigte, und verringerte den Druck, wo er Licht erzielen wollte, bis die Linie allein Volumen, Tiefe und Ausdruck hervorbrachte.

Mellan lebte von 1598 bis 1688, und dieses Werk wird bis heute als technische Meisterleistung untersucht, die von Hand kaum zu reproduzieren ist. Keine Kreuzschraffuren, keine Punktierungen: nur absolute Kontrolle einer Hand über eine einzige endlose Kurve.
