Die BBC veröffentlichte die Dokumentation Spy in the Ocean, mit dem Ziel, zu dokumentieren, was in der Meereswelt vor sich ging; zu diesem Zweck entwickelte John Downer Productions einen Roboter-Oktopus, der mit Kameras in seinen Augen ausgestattet war und so konzipiert wurde, dass er sich in der Nähe echter Tiere bewegte und mit ihnen interagierte, ohne sie zu erschrecken oder ihr Verhalten zu verändern.
So erregte der Roboter die Aufmerksamkeit eines der Oktopusse in der Gegend. Anfangs berührte er den Roboter misstrauisch, doch dann war er überzeugt, dass von ihm keine Bedrohung ausging, obwohl die Gefahr ganz in der Nähe war.
An den Riffen, an denen die Szene gefilmt wurde, tauchten Schwarzspitzenhaie auf, die – tödliche Raubtiere – ihre Kreise zogen. Der echte Oktopus brauchte sofort Schutz und fand ein Stück hohlen Bambus, in das er hineinkroch. Das Problem war, dass man den Oktopus vom Eingang aus weiterhin sehen konnte.
Also näherte sich der Roboter mit einer halben Kokosnussschale. Der echte Oktopus nahm sie und versperrte und verschloss damit sein Versteck.
Die Idee funktionierte. Als die Haie verschwunden waren, blieb der Oktopus neben dem Roboter, als wollte er sagen: „Dieser seltsame Gefährte hat mir im schlimmsten Moment meines Lebens geholfen“. Er hatte soeben einen Freund gefunden.
Doch kurz darauf waren die Rollen vertauscht.

Starke Strömungen begannen, den Meeresboden zu erschüttern. Der echte Oktopus fand Schutz unter einer Tüte, die am Grund hängen geblieben war, und versteckte sich, während die Turbulenzen vorüberzogen. Der Roboter hingegen trieb hilflos umher und wurde von einer Seite zur anderen gezogen.


Dann geschah das Unerwartete. Der Oktopus kam aus seinem Versteck, ging zum Roboter, hob ihn auf und nahm ihn mit in sein Versteck, damit er während des Sturms nicht schutzlos im Freien blieb. Dieses Mal schien er derjenige zu sein, der seinen seltsamen Gefährten beschützte.
Leben für Leben.

Es ist unmöglich zu wissen, was wirklich im Kopf des Oktopus vorging, ob er jemals glaubte, dass die Maschine zu seiner eigenen Art gehörte, oder ob er wusste, dass sie etwas Lebloses war. Doch die Bilder bescherten uns einen schönen Zufall: Jemandem zu danken, der einem einst geholfen hat, kann niemals schaden.
