Nelly erschien an der Küste von Zarubino im Osten Russlands gestrandet, von der Strömung ans Ufer getragen. Dort hätte sie auf ihre Mutter warten sollen, damit diese den richtigen Moment finden konnte, sie zu retten. Stattdessen traf sie auf eine Menschenmenge.
Stundenlang wechselten sich Dutzende Menschen dabei ab, sie zu streicheln, zu drücken und zu fotografieren, während das Jungtier vor Angst schrie. Ihre Mutter schwamm in der Nähe und wartete auf eine Gelegenheit, die nie kam. Als sie es schließlich schaffte, nahe genug heranzukommen, beschnupperte sie sie, doch der menschliche Geruch hatte bereits alles überdeckt. Sie kehrte allein ins Wasser zurück und schwamm bei Einbruch der Nacht für immer davon.
Aktivisten schafften es zu spät, die Menschen zu vertreiben. Nelly wurde in schwerem Schock in ein Rehabilitationszentrum gebracht, doch die Tierärzte konnten sie nicht retten. Das Zentrum erklärte, dass Robbenjunge äußerst stressanfällig sind: Übermäßige Mengen der Hormone Adrenalin und Cortisol können sie töten. Niemand berührte sie mit der Absicht, ihr zu schaden. Und doch töteten sie sie mit Liebkosungen. Wie viele Menschen müssen noch davon erfahren, bevor sie Wildtiere in Ruhe lassen?
