Saroo Brierley war 5 Jahre alt, als er in Khandwa, Indien, in einen leeren Zug stieg und auf seinen älteren Bruder Guddu wartete. Er schlief ein. Als er aufwachte, hielt der Zug nirgendwo mehr an, das ihm vertraut war. Vierzehn Stunden und 1,400 Kilometer später stieg er allein in Kalkutta aus, ohne den richtigen Namen seines Dorfes zu kennen oder zu wissen, wie er zurückkommen sollte.

Er überlebte auf der Straße, bis ihn eine australische Familie, Sue und John Brierley, adoptierte und mit nach Tasmanien nahm. Dort wuchs er auf, studierte und baute sich ein neues Leben auf. Doch er hielt immer an kleinen Erinnerungsfragmenten fest: der Form eines Bahnhofs, dem Klang eines halb erinnerten Namens.

Im Alter von 30 begann er Nacht für Nacht mit Google Earth zu suchen und Landschaften mit diesen verschwommenen Kindheitserinnerungen zu vergleichen. Er fand sein Dorf, Ganesh Talai. Er reiste nach Indien, und dort war Kamla, seine Mutter, die nie aufgehört hatte, auf ihn zu warten. Sein Bruder Guddu hatte nicht so viel Glück: Er war in derselben Nacht vor 25 Jahren auf den Gleisen gestorben. 💔
