Aniceto Colunga Báez radelte mit einem Blumenstrauß in der Hand durch die Straßen von Santiago del Estero. Er war auf dem Weg zu keiner Feier. Er fuhr zum Friedhof, wie er es immer tat, wenn er konnte, um die Liebe seines Lebens zu besuchen. Jemand fotografierte ihn mitten auf der Straße, und dieses Bild verbreitete sich in mehreren Ländern über die sozialen Medien: ein älterer Mann, allein, auf einem Fahrrad, mit Blumen für jemanden, der sie nicht mehr persönlich entgegennehmen konnte. Tausende Menschen waren von dieser stillen Geste bewegt.

Doch die Geschichte hatte ein zweites Kapitel, mit dem niemand gerechnet hatte. In den folgenden Tagen, am 10. Mai 2023, mit dem Muttertag im Hintergrund und einem Liebesversprechen, das er zu halten geschworen hatte, bereitete Aniceto seinen Blumenstrauß erneut vor. Er fuhr mit seinem Fahrrad los. Und er kam nicht an.

Er starb auf dem Weg zum Friedhof, um eben dieses Versprechen gegenüber seiner Frau zu erfüllen. Die sozialen Medien, die ihn zuvor für seine Geste gefeiert hatten, füllten sich mit Abschiedsbotschaften aus verschiedenen Ländern. Viele sagten dasselbe: Er ging, wie er gelebt hatte, ihr bis zuletzt treu. Manche Lieben brauchen keine Erklärung; diese war eine davon.

