Tomás Cam hatte sieben Jahre damit verbracht, sich auf das Priesteramt vorzubereiten. Massiel Pereyra hatte sechs Jahre in einem Kloster in Peru verbracht, unter dem Gelübde der Keuschheit und ihr gesamtes Leben der Stille und dem Gebet widmend.


Sie waren sich bereits begegnet, in theologischen Kursen – zwei Menschen, die dazu bestimmt waren, demselben Glauben zu dienen. Sie wechselten kaum ein Wort. Nichts deutete darauf hin, dass diese lauwarme Bekanntschaft letztlich ihr Leben völlig verändern würde.




Massiel verließ als Erste das Kloster. Ein Jahr später verließ Tomás das Priesterseminar. Das Schicksal – oder der Algorithmus – führte sie auf Instagram wieder zusammen, diesmal ohne dass Ordensgewänder oder Soutanen im Weg standen. Sie trafen sich an der Puente de los Suspiros in Lima, einem Ort, der von Legenden über unmögliche Lieben durchdrungen ist.



Dort begann zwischen zwei Menschen, die einst ein Keuschheitsgelübde abgelegt hatten, eine ganz gewöhnliche Beziehung.




Das Video, das Tomás auf TikTok hochlud und in dem er erklärte, warum sie sich nicht schon früher verliebt hatten, erzielte Millionen von Aufrufen und warf eine unangenehme Frage auf: Wie viele religiöse Berufungen verbergen tatsächlich ein Verlangen, das früher oder später einen Weg nach draußen findet?
