Eine 39-jährige Frau kam mit Fieber und starkem Ausfluss ins Krankenhaus. Was die Ärzte bei der Untersuchung entdeckten, war ebenso ungewöhnlich wie besorgniserregend: eine übel riechende Wollmasse von etwa fünf Zentimetern Größe, die sich seit vier Jahren in ihrem Körper befand und in das Gewebe des Gebärmutterhalses eingedrungen war.
Der Fall wurde am 7. Juni 2026 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Case Reports in Obstetrics and Gynecology veröffentlicht. Dem medizinischen Bericht zufolge war der Gegenstand vier Jahre zuvor im Rahmen einer traditionellen Praxis eingeführt worden, die das Geschlecht des künftigen Babys beeinflussen und die Empfängnis eines Jungen begünstigen sollte.

Um den Gegenstand zu entfernen, führten die Fachärzte unter Vollnarkose eine Vaginoskopie und eine Hysteroskopie durch. Dabei stellten sie fest, dass die Masse etwa fünf Millimeter tief in das Gewebe des Gebärmutterhalses eingewachsen war. Die untersuchten Proben zeigten eine Fremdkörperreaktion sowie Anzeichen einer akuten und chronischen Entzündung.
Trotz des schwerwiegenden Befunds fanden die Ärzte keine Anzeichen dafür, dass der Gegenstand bis in die Gebärmutterhöhle oder die Blase vorgedrungen war. Die Frau erhielt 72 Stunden lang Antibiotika, ihre Symptome verschwanden und sie wurde schließlich entlassen.

Der Fall macht deutlich, welche Risiken das Einführen von Fremdmaterialien in den Fortpflanzungstrakt zu Zwecken birgt, für die es keine medizinische Grundlage gibt. Vier Jahre nach dieser Praxis wurde aus dem, was als Versuch gedacht war, einen Jungen zu bekommen, schließlich ein Notfall im Krankenhaus.
