Ein Hals so breit wie ein Rumpf, ein gewölbter Schädel, zusätzliche Rippen und Gliedmaßen, die kürzer sind als die irgendeines Menschen. So sieht Graham aus, die konzeptionelle Figur, die 2016 von australischen Forschenden zusammen mit der Bildhauerin Patricia Piccinini geschaffen wurde, um eine unbequeme Frage zu beantworten: Wie müsste der menschliche Körper beschaffen sein, um einen Hochgeschwindigkeits-Autounfall zu überleben?

Jedes einzelne von Grahams Merkmalen hat einen klinischen Grund. Der dickere Hals schützt die Halswirbelsäule vor plötzlichem Aufprall. Der gewölbte Schädel wirkt wie ein natürlicher Helm. Der verbreiterte Brustkorb und das zusätzliche Gewebe um die lebenswichtigen Organe absorbieren die kinetische Energie, mit der ein normaler Körper schlicht nicht fertigwerden kann. Kurz gesagt: Die menschliche Anatomie, wie wir sie kennen, hat sich nicht dazu entwickelt, Kollisionen bei 100 Kilometern pro Stunde zu überleben.

Das Projekt entstand als visuelle Warnung zur Verkehrssicherheit, entwickelte sich aber letztlich zu einem der verstörendsten Konzepte der angewandten Medizin. Grahams Gestalt existiert in der Natur nicht, weil sie nicht existieren musste, bis der Mensch Fahrzeuge erfand, die sich mit Geschwindigkeiten bewegen konnten, auf die der Körper in Millionen Jahren der Evolution nie eingestellt war.


