Mar Galcerán hat ihr ganzes Leben lang gehört, was sie nicht tun könne.

Mit 45 Jahren ist diese Frau aus dem Viertel El Cabanyal in Valencia, Spanien, seit ihrem 18. Lebensjahr Mitglied der Partido Popular. Mehr als zwei Jahrzehnte lang arbeitete sie als Beamtin für die Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung, stets eine Stufe unter der Position, die ihr zugestanden hätte. Im Mai 2023 nahm ihre Partei sie in ihre Kandidatenliste für die Corts Valencianes auf. Sie gewannen. Im Januar 2024 wurde sie als Abgeordnete vereidigt und damit zur ersten Person mit Down-Syndrom, die in einem spanischen Parlament saß – und laut Down España zur ersten, die irgendwo in Europa ein regionales oder nationales Parlament erreichte.

Vor ihr war Ángela Bachiller bereits 2013 zur ersten Stadträtin des Landes mit Down-Syndrom geworden, in Valladolid – allerdings erst, nachdem ihr Vorgänger wegen Korruption zurückgetreten war. Galcerán stellte klar: Sie wolle nicht wegen ihrer Behinderung wahrgenommen werden, sondern wegen dessen, was sie beitragen könne. Die unbeantwortete Frage ist, warum sie zu einer historischen Ausnahme werden musste, damit jemand wie sie den Platz erhielt, den die Gesellschaft ihr so lange geschuldet hatte.

