Iracema Morais weinte als Kind, weil sie zur Schule gehen wollte.

Ihr Vater, der Analphabet war, erlaubte ihr den Schulbesuch erst, als sie 10 Jahre alt war, und kurz darauf nahm er sie endgültig aus der Schule. Dieser Traum blieb 76 Jahre lang verborgen, während Iracema ihre 16 Kinder großzog – von denen inzwischen sechs gestorben sind – und ihr gesamtes Leben ihrer Erziehung in São Paulo do Potengi, Rio Grande do Norte, Brasilien, widmete.

Als sie schließlich über das EJA-Programm in den Unterricht zurückkehrte, konnte sie bereits selbstständig lesen und schreiben, und sie verblüffte deutlich jüngere Lehrkräfte und Mitschüler mit ihren Fähigkeiten im Kopfrechnen. „Ich fühle mich wie eine 15-jährige Jugendliche“, sagt sie nun, nur wenige Tage vor ihrem Schulabschluss. Ihr Sohn Adelino Netto sagt, seine Mutter sei für die ganze Familie zu einem Vorbild geworden. Und sie hat bereits ihr nächstes Ziel: sich für einen Kochkurs einzuschreiben, denn mit 91 hat sie noch lange nicht vor, mit dem Lernen aufzuhören.

