„Als kleines Mädchen verkleidete mich mein Vater 10 Jahre lang als Jungen, um mich zu schützen und damit ich frei leben konnte“

Por Andrea Araya Moya
5 June, 2026

Nilofar Ayoubi war erst 4 Jahre alt, als ein Fremder sie auf der Straße schlug, weil sie keinen Schleier trug. Danach traf ihr Vater eine extreme Entscheidung: Er schnitt ihr die Haare ab und sagte ihrer Mutter, sie solle sie wie einen Jungen anziehen. Es war kein Spiel und kein Streich, es war der einzige Weg, den er fand, damit sie sich unter dem ersten Taliban-Regime freier bewegen konnte.

Von da an wurde Nilofar vom Rest der Welt als Junge wahrgenommen. In Afghanistan gibt es sogar einen Namen für diese Praxis: bacha posh, was so viel bedeutet wie „wie ein Junge gekleidet“. Manche Familien greifen darauf zurück, damit ihre Töchter Freiheiten erhalten, die ihnen oft allein deshalb verwehrt werden, weil sie als weiblich geboren wurden.

Nilofar Ayoubi

Fast zehn Jahre lang lebte sie so. Sie konnte ihren Vater auf den Markt begleiten, auf der Straße spielen, Fahrrad fahren und Sportarten wie Judo und Karate ausüben. Währenddessen mussten sich ihre Schwestern an viel strengere Regeln halten. Für Nilofar war der Unterschied unmöglich zu übersehen: Es reichte, die Kleidung zu wechseln, damit die Welt sie anders behandelte.

Doch die Situation konnte nicht ewig andauern. Als die Pubertät einsetzte und sie zu menstruieren begann, musste sie sich wieder als Frau zeigen. Von einem Tag auf den anderen verlor sie Freiheiten, die sie während eines großen Teils ihrer Kindheit für normal gehalten hatte — eine Erfahrung, die sie später als zutiefst schwierig beschreiben würde.

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Im Laufe der Jahre gelang es ihr, sich als Geschäftsfrau zu etablieren, und sie schuf Arbeitsmöglichkeiten für andere afghanische Frauen. Nachdem die Taliban jedoch 2021 an die Macht zurückgekehrt waren, musste sie das Land aus Sicherheitsgründen verlassen. Heute lebt sie in Polen und denkt oft über diese Phase ihres Lebens nach. Sie sagt, dass es zugleich ein Segen und ein Fluch war, als Junge aufgewachsen zu sein: Es zeigte ihr die Ungleichheiten von innen, gab ihr aber auch die Kraft, die Frau zu werden, die sie heute ist.

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