Delbur verhielt sich nie wie ein gewöhnliches Rind.
Seit er ein Kalb war, spielte er mit Bällen, muhte Besucher an und begrüßte Lieferfahrer, als wäre er einfach ein weiterer Hund auf der Farm der Holzwarths in Michigan. Shiane und ihre Familie hatten ihn während der Pandemie zusammen mit einem weiteren Ochsen gekauft, mit einem einfachen Plan: Sie wollten beide zur Fleischgewinnung aufziehen. Doch am Tag der Schlachtung, während das andere Tier sich dagegen sträubte, in den Anhänger zu steigen, ging Delbur allein hinein, vertrauensvoll und ohne zu ahnen, was passieren würde.


Shiane weinte die ganze Fahrt über. Ihr Mann fuhr und machte Witze über ihr Weinen, ohne sich auch nur vorzustellen, dass das Schicksal einen anderen Plan hatte. Im Schlachthof untersuchte der Metzger Delbur und sagte, er sei zu klein und müsse noch an Gewicht zulegen. Der Grund: Aufgrund seines sanften Wesens ließ er die anderen Tiere immer zuerst fressen.
Diese Aussage rettete ihm das Leben. Shiane lud ihn wieder auf den Anhänger, doch diesmal war er auf dem Weg nach Hause, um zu bleiben. Heute rennt, springt und sucht Delbur noch immer nach Zuneigung, genau wie am ersten Tag.


