Ein Hund lernt schnell, wenn Futter im Spiel ist. Anfang der 1930er-Jahre begann die Rote Armee mit einem Experiment, das dieses Prinzip auf eine seiner grausamsten Zuspitzungen treiben sollte. Man brachte Hunden bei, unter Militärfahrzeugen nach Futter zu suchen, doch es gab ein Detail: Die Hunde trugen mit Bomben ausgestattete Westen. Sie sollten im Zweiten Weltkrieg eingesetzt werden, um den Feind in die Luft zu sprengen … doch dafür musste der Hund sterben.

Die Ausbildung war offenbar einfach. Die Tiere wurden hungrig gehalten und daran gewöhnt, unter Panzern Futter zu finden. Zunächst übten sie mit stehenden Fahrzeugen, später versuchte man, sie an den Lärm, die Bewegung und die Explosionen zu gewöhnen, denen sie auf einem Schlachtfeld begegnen würden. Ziel war, sicherzustellen, dass sie selbst inmitten von Gewehrfeuer und Motoren instinktiv auf die Unterseite eines gepanzerten Fahrzeugs zuliefen und es dadurch in die Luft sprengten.


Als Deutschland im Juni 1941 in die Sowjetunion einmarschierte, war dieses seltsame Experiment nicht mehr bloß eine Ausbildung. Die Rote Armee erlitt enorme Verluste und benötigte jede verfügbare Ressource, um den Vormarsch der deutschen Panzer aufzuhalten.
Damals wurden einige dieser Hunde mit Sprengstoff beladen an die Front geschickt.
Das System bestand darin, dem Tier ein Geschirr mit einer Sprengladung und einem Mechanismus anzulegen, der aus seinem Rücken herausragte. Sobald es dem Hund gelang, unter den Panzer zu gelangen, sollte der Kontakt mit der Unterseite des Fahrzeugs den Zünder auslösen. Die Explosion erfolgte an einem der verwundbarsten Bereiche des gepanzerten Fahrzeugs.

Das Problem war, dass sich diese Hunde den Klang und Geruch sowjetischer Panzer eingeprägt hatten, nicht den deutscher Panzer. Mitten im Kampf liefen viele schließlich auf die eigenen Linien zu und machten die Waffe zu einer Bedrohung für genau die Menschen, die sie entwickelt hatten. Historiker schätzen, dass mit dieser Methode nur etwa 300 Fahrzeuge außer Gefecht gesetzt wurden – weit weniger als die Zahlen, die von der sowjetischen Propaganda verbreitet wurden.
Viele betrachten das, was als Nächstes geschah, als eine Art Karma.
Und nicht nur das: Viele russische Soldaten fühlten sich schlecht dabei, diese kleinen, unschuldigen Tiere für eine derart grausame Aufgabe einzusetzen, weshalb einige sogar heimlich ihre Westen deaktivierten, um zu verhindern, dass ihre Hunde ihr Leben vergeblich verloren.
Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Heute spielen Hunde in Armeen und Sicherheitskräften auf der ganzen Welt weiterhin eine entscheidende Rolle, doch ihr Leben wird nicht mehr als bloße Bauern geopfert. Heute sind sie Helden, die Seite an Seite mit ihren menschlichen Gefährten arbeiten und ihnen bei Einsätzen helfen, bei denen ihr Geruchssinn, ihre Intelligenz und ihr Mut den entscheidenden Unterschied machen können.
