Lada Koroleva war 19 Jahre alt, als sich ein Foto von ihr in ganz Russland verbreitete.
Sie ging mit einem Kinderwagen durch die Straßen von Rostow am Don. Darin saß ihre sieben Monate alte Tochter. Noch kannte niemand ihre ganze Geschichte, doch dieses Bild reichte aus, damit die Menschen sie als heroische Mutter von Rostow bezeichneten.
Monate vergingen, und ihr Name verschwand aus den Nachrichten. Bis sie wieder auftauchte, diesmal in der Moskauer Metro. Sie schob keinen Kinderwagen mehr durch eine ruhige Straße. Sie lieferte Essensbestellungen durch Waggons und Treppenhäuser, stets mit ihren beiden kleinen Töchtern in ihrer Nähe.

Sie hatte niemanden, bei dem sie sie lassen konnte. Also nahm sie sie mit, Schicht für Schicht, inmitten der Kälte und des Lieferstresses.
Das Foto ging ein zweites Mal viral. Und mit dem Ruhm kam auch Kritik; einige warfen ihr vor, ihre Töchter zur Schau zu stellen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Niemand fragte zunächst, wie viele Alternativen sie hatte.
Kurz darauf kündigte sie diesen Job, als das Lieferunternehmen mit den Zahlungen in Verzug geriet. Sie sagte einem russischen Medium, dass sie nach etwas anderem suche, vielleicht nach einer Teilzeitstelle, vielleicht nach Arbeit als Haushaltshilfe. Etwas, das es ihr ermöglichen würde, sich weiterhin um ihre Töchter zu kümmern und gleichzeitig das zu verdienen, was sie für beide brauchte.

Es brauchte keine große Geste, um ein ganzes Land zu bewegen. Sie musste nur weitergehen, während ihre Töchter ihre Hände hielten, als alles darauf hindeutete, dass sie stehen bleiben sollte.

