Por Upsocl
1 diciembre, 2020

„Ich dachte, dass wenn ihr schon ein so kurzes Leben bevorsteht, es besser wäre, wenn sie eine Mutter hätte“, sagte Krankenschwester Nuria. Sie gab der kleinen Zoe ein kurzes, aber wunderschönes Leben.

Nuria Perez ist gebürtige Argentinierin und arbeitet als Krankenschwester. Doch was sie wirklich einzigartig macht, ist ihr unendlich gutmütiges und einfühlsames Herz. Rein zufällig stieß sie eines Tages während ihres Schichtdienstes auf ein verlassenes Baby, das ihr Leben völlig umkrempeln sollte.

Es schien ein Tag wie jeder andere zu sein, als sie die kleine Zoe fand. Die Eltern des Neugeborenen hatten es gerade eben verlassen. Das Baby schlief, genau wie die anderen Säuglinge, friedlich in einem Bettchen, mit der traurigen Ausnahme, dass niemand es mitnehmen würde. 

Nuria Pérez

Hinzu kommt, dass die kleine Zoe an Hydranenzephalie litt. Dabei handelt es sich um eine merkwürdige Fehlbildung des Gehirns, bei der die Großhirnhemisphären weitgehend fehlen. Statt eines funktionales Nervengewebes, ließen sich bei Zoe nur große liquorgefüllte Hohlräume finden. Ihre Lebenserwartung lag bei nur knapp einem Jahr. 

„Da sie keine vollständigen Großhirnhemisphären hatte, konnte sie weder sehen, hören, noch würde sie überhaupt jemals laufen können. Aber ihr Gehirn funktionierte doch einigermaßen, weswegen ihre Lungen und ihr Herz aktiv waren“, sagte Nuria im Gespräch mit Infobae.

Nuria Pérez

Das Personal des Eva-Peron-Krankenhauses der Stadt Santa Lucia, im Norden Argentiniens, wies das Baby ein und ließ es wochenlang alleine auf der Intensivstation zur Beobachtung. Es würde bald sterben, aber Nuria wusste, dass sie etwas unternehmen musste. 

Sie hatte bereits einen 9-jährigen Sohn, und es brach ihr das Mutterherz, ein so von Gott verlassenes Baby einfach seinem Schicksal zu überlassen. „Kinder wecken in solchen Situationen etwas Besonderes in uns. Der Kontakt mit ihnen ist in dem Fall viel größer, als bei einem Baby, das von seinen Eltern versorgt wird. Zoe war nicht meine Patientin, ich habe sie wenige Male betreuen müssen, aber ich kam sie oft besuchen und leistete ihr Gesellschaft“, sagte sie. 

Nuria Pérez

„Einen Monat später sagte ich zu meinen Kolleginnen: ‘Ich werde die Mutter sein’“, fuhr sie fort. 

„Ich dachte, dass wenn ihr schon ein so kurzes Leben bevorsteht, es besser wäre, wenn sie eine Mutter, einen Bruder, Großeltern, Onkels, Cousins, ein Zuhause, ein Bett, ihre Klamotten und ihr Spielzeug hätte. Ich glaube, dass es viele unterschiedliche Wege gibt, Mutter zu sein. Adoption war für mich eine etwas unbekanntere Art“, erzählte die Krankenschwester über ihre Gründe, warum sie das Baby adoptiert hatte. 

Nuria Pérez

Nuria fand heraus, dass die leibliche Mutter der kleinen Zoe ein junges Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen war. Sie konnte sich nicht um das Baby kümmern. Nuria besprach die Situation mit ihrer Familie und traf dann die endgültige Entscheidung: sie würde Zoes neue Mama sein. 

„Ich ging mit ihr wie mit jedem anderen Kind um. Ich dachte nie, ‘oh Gott, mein armes Baby, sie leidet ja so sehr’, oder dergleichen. Ich nahm sie zum Spielplatz mit, ging mit ihr spazieren und wir gingen als eine einzige Familie essen. Eben normale Sachen, die sich aber manche Eltern von Kindern mit Behinderung nicht zutrauen“, sagte sie. 

„Natürlich hatten wir Angst und fühlten uns unsicher, umso mehr, als das endgültige Datum näher rückte. Auch wenn man schon im voraus weiß, dass der Tag irgendwann kommen wird, ist man nie auf so etwas wie den Tod vorbereitet, vor allem, wenn es sich um das eigene Kind handelt“, fügte sie hinzu. 

Nuria Pérez

Doch die Jahre vergingen und die Kleine lebte weiter. Bis zu ihrem 5. Geburtstag. Sie starb im August 2019, vier Jahre später als es eigentlich erwartet war. Das Mädchen hatte eine Atemstörung erlitten und musste erneut auf die Intensivstation gebracht werden. Nuria wird diesen Tag nie vergessen.   

„Der Arzt forderte mich auf, das Behandlungszimmer zu verlassen. Ich weigerte mich, weil ich sie nicht alleine lassen wollte. Darauf fing er an, mich zu bedrängte, griff nach meinen Armen und schubste mich raus. Diese Situation war schrecklich für mich, ich hatte Zoe versprochen, dass ich sie nie alleine lassen würde, nie und nimmer“, erzählte sie.  

Nuria Pérez

Und dann musste sie die „schwierigste Entscheidung ihres Lebens treffen“: ob man die Kleine reanimieren oder sterben lassen sollte. „Wenn man sie reanimiert hätte, hätte sie entweder zurück nach Hause gehen oder bis zum bitteren Ende im Komaschlaf liegen können, was den Schmerz nur verlängert hätte, das wollte wir um nichts in der Welt“, begründete sie die Entscheidung.

Nuria wird den Verlust ihrer kleinen Zoe nie überwinden können. Aber sie kann stolz auf die fünf Jahre, die sie dem kleinen Mädchen gegeben hat, sein.

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